Atem
Nervensystem beruhigen
Rimbert Schickling
7 Min. Lesezeit
Du bekommst vieles geregelt. Den Job, die Termine, die Dinge, die eben erledigt werden müssen. Nur eins funktioniert nicht auf Kommando: runterfahren. Abends ist der Kopf noch an, nachts liegst du um vier wach und gehst die nächste Woche durch, und morgens ist die Anspannung schon wieder da, bevor der Tag angefangen hat.
Wenn du das kennst, geht es dir wie vielen. Dauerhafte Anspannung ist verbreitet – und sie hat wenig mit fehlender Disziplin zu tun. Dieser Beitrag ordnet ein, was dabei im Körper passiert, und zeigt mögliche Wege, die dabei helfen können, wieder besser in Ruhe zu kommen. Er ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung. Wenn Beschwerden stark sind oder länger anhalten, ist eine fachliche Abklärung der richtige Schritt.
Woran du dauerhafte Anspannung erkennst
Anspannung an sich ist normal. Sie wird zum Thema, wenn sie zum Grundzustand wird. Typische Alltagssignale:
- Du schläfst ein, wachst aber früh wieder auf und findest nicht zurück.
- Kleinigkeiten bringen dich schneller aus der Ruhe als früher.
- Selbst im Urlaub oder am freien Wochenende dauert es Tage, bis du wirklich abschaltest – oder es passiert gar nicht.
- Der Körper meldet sich: verspannter Nacken, flacher Atem, ein Unruhegefühl, das keinen konkreten Anlass hat.
Das ist keine Diagnose, sondern eine Beschreibung. Wenn du dich hier wiedererkennst, heißt das nicht, dass etwas mit dir nicht stimmt. Es heißt, dass dein System länger im Alarm läuft, als ihm guttut.
Was dabei im Körper passiert
Vereinfacht gesagt kann dein autonomes Nervensystem den Körper eher in Aktivierung oder eher in Erholung bringen. Unter Druck steht Aktivierung im Vordergrund – das ist sinnvoll, wenn kurzfristig etwas bewältigt werden muss. Schwierig wird es, wenn der Körper kaum noch in Ruhe zurückfindet.
Am Umschalten in Richtung Ruhe ist unter anderem der Vagusnerv beteiligt – ein Nerv, der Signale zwischen Gehirn, Herz und Verdauungssystem mitträgt. Atem, Bewegung und Entspannung können dabei helfen, den Körper wieder eher in Richtung Erholung zu unterstützen.
Was helfen kann
Es gibt kein einzelnes Mittel, das bei allen wirkt. Aber mehrere Ansätze haben sich bewährt – am besten den ausprobieren, der zu dir passt.
Atmung. Ein naheliegender Hebel, weil du sie immer dabei hast. Ruhiges, langsames Atmen kann dem Körper helfen, eher in Richtung Ruhe zu kommen. Schon ein paar Minuten können spürbar etwas verändern.
Bewegung. Anspannung ist auch körperlich gespeicherte Energie. Ein Lauf, ein Training, ein zügiger Spaziergang hilft dem System, den Überschuss loszuwerden – oft besser als Stillsitzen und Grübeln.
Echte Pausen. Nicht die Pause, in der du aufs Handy schaust, sondern eine ohne Reiz: Fenster auf, kurz raus, ein paar Minuten nichts. Reizarme Momente sind für ein überdrehtes System wertvoller, als sie aussehen.
Schlaf schützen. Ein halbwegs fester Rhythmus und ein ruhiges Fenster vor dem Schlafen sind oft hilfreicher als noch ein weiterer Reiz.
Aussprechen statt mit sich ausmachen. Vieles bleibt lauter, solange es nur im Kopf kreist. Es einem Menschen zu erzählen, verändert oft schon, wie schwer es wiegt.
Wann du dir Unterstützung holen solltest
Manches lässt sich allein regulieren. Manches nicht. Wenn die Anspannung über Wochen bleibt, deinen Schlaf, deine Beziehungen oder deine Arbeit dauerhaft belastet, oder wenn körperliche Beschwerden dazukommen, ist ärztliche oder therapeutische Unterstützung kein Zeichen von Schwäche, sondern der vernünftige nächste Schritt. Ein Gespräch bei der Hausärztin oder einer psychotherapeutischen Praxis ist ein guter Anfang.
Warum Breathwork ein guter Einstieg sein kann
Beim for us Festival 2026 war das Morgen-Breathwork so voll, dass nicht alle reinkamen. Für viele ist der Körper ein greifbarer Einstieg, wenn „an dir arbeiten“ zu abstrakt klingt. Breathwork kann ein möglicher Zugang sein – kein Heilmittel und keine Lösung für alles. Einen Eindruck davon gibt der Rückblick auf 2026.
Wenn dein Kopf vor allem beim Nachdenken nicht zur Ruhe kommt, hilft dir vielleicht auch der Beitrag „Selbstreflexion“ – dort geht es darum, wann Denken weiterbringt und wann es sich nur dreht.
Weiterkommen mit Menschen statt allein
Werkzeuge helfen. Manchmal braucht es aber auch einen Ort, an dem du sie ausprobierst und Menschen triffst, die Ähnliches kennen. Beim for us Festival in Rostock gehört der körperliche Zugang – Breathwork, Bewegung, echte Pausen – genauso dazu wie die Gespräche zwischendurch.
Das Festival läuft vom 23. bis 25. April 2027 in Rostock. Wer früh dabei sein will, sichert sich den Blind Early Bird – zum Vorteilspreis, bevor Programm und Line-up stehen.